Firma A.H. Wessely e.K.
Kohlwey

Gutsherr auf Wulksfelde

Hermann Wessely muss zu dieser Zeit ein sehr kapitalkräftiger Mann gewesen sein. Er kaufte nämlich 1893 ein schon nach einem Jahre wieder veräußertes Grundstück an der Barmbeker Straße sowie 1895 Grundstücke an der Klosterallee, an der Oberstraße und am Grindelhof.

Seine größte und schönste Erwerbung aber war 1892 das Gut Wulksfelde an der Oberalster. Als ideelle Beweggründe mögen seine Erinnerung an die Jugendjahre auf dem väterlichen Gut Schön Nuhr und seine Neigung zur Repräsentation eine Rolle gespielt haben. In wirtschaftlicher Hinsicht war die Beschaffung von Holz und Torf für die Brennöfen seiner neuen Fabrik von Bedeutung. Der Wulksfelder Gutsherr konnte Holz und Torf aus eigenem Besitz durch die letzten Alsterschiffer Hinrich und Ferdinand Willhöft aus Rade und Johannes Sieseberg aus Wiemerskamp die Alster hinunter bis in den Isebekkanal befördern lassen. Als einmal zwei kleine Kanonen aus dem Kanal gehoben wurden, ließ er sie nach Wulksfelde schaffen und auf der Terrasse hinter dem Herrenhaus aufstellen.


Im Sommer lebte die Familie auf dem Gut und empfing dort gern Gäste. Zur Verbesserung des weiten Weges von Hamburg nach Wulksfelde unterstützte Wessely den Plan einer Bahn, die von Ohlsdorf aus über Poppenbüttel, Duvenstedt und Wulksfelde nach Segeberg führen sollte. Als der Plan nicht verwirklicht werden konnte, sorgte er mit den Gemeinden Duvenstedt und Lehmsahl-Mellingstedt dafür, dass 1897 die Landstraße von Poppenbüttel über diese beiden Gemeinden nach Wulksfelde mit Anschluss an die Segeberger Chaussee gebaut wurde. Im Jahre 1898 verkaufte er das Gut Wulksfelde. Die Geschäfte im Ofen- und Kaminbau gingen zurück, weil sich die Art des Heizens wandelte. In Villen und Mietshäusern mit teureren Wohnungen wurden keine Öfen und Kamine mehr eingebaut, sondern zentrale Warmwasserheizungen, und die Brennöfen der Fabrik wurden nicht mehr mit Holz und Torf, sondern mit den auf dem Wasserwege billig heranzuschaffenden Braunkohlebriketts geheizt. Für Wessely kam hinzu, dass seine drei Töchter alle im Jahre 1898 heirateten und er ihnen eine Aussteuer von je 30 000 Mark mit in die Ehe gab. Einen neuen Sommerwohnsitz schuf er sich an der Alten Landstraße in Hummelsbüttel, heute Nr. 62. Es war ein großes Gelände an der Alster, das heute in viele Parzellen aufgeteilt ist, mit Bootshafen, Badehütte und Karpfenteich. Das Herrenhaus wurde mit Kacheln geziert. In den Eichensockel des Herrenzimmers waren Kacheln mit Fayencemalerei eingelassen, und die Diele und den Treppenaufgang schmückten Kacheln mit biblischen Motiven. Neben dem Wohnhaus wurden ein Gärtnerhaus, ein Pferdestall und ein Gewächshaus errichtet. Um 1918/19 verkaufte Wessely diesen Besitz, zog in die Violastraße in Groß Borstel und verbrachte hier seinen Lebensabend.