Firma A.H. Wessely e.K.
Kohlwey

Die Ofen- und Tonwarenfabrik A. H. Wessely

Kacheln, Öfen und Kamine


Als Wessely seine Arbeit in Hamburg begann, waren weiße Kachelöfen mit Medaillons, die einen Hirsch, einen Jäger oder eine Fischerin umschlossen, gebräuchlich. Er erwarb sich nun das Verdienst um die Einbürgerung des Majolikaofens." Schon im Jahre 1876 stellte er in Hamburg drei farbig glasierte Kachelöfen aus und erhielt dafür eine Goldmedaille. Obgleich diese Öfen teurer waren als die herkömmlichen weißen, fanden sie guten Absatz. Wessely baute Öfen im Stil der deutschen Renaissance mit weitausladenden Krönungen, in der zierlicheren Art des Rokoko und der schlichteren Form des Empire und des Biedermeier, auf besonderen Wunsch auch in gotischen Formen. Als Vorlage dienten ihm zunächst Originalstücke im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, im Thaulow-Museum in Kiel und im Focke-Museum in Bremen. Aber schon bald zog er namhafte Künstler zur Gestaltung seiner Öfen und Kamine heran. Dazu gehörte der gebbürtige Tiroler Alois Denoth, der durch seine Statue Kaiser Franz II. und 28 Büsten von Berufstypen als Giebelbekrönungen an den Fenstern des Hamburger Rathauses bekannt wurde.

Carl Paul Börner, dessen Werk noch in den Löwen im Rathaushof, dem Hagedorndenkmal und der Kolumbusstatue an der Kornhausbrücke sichtbar ist, schuf für Wessely „figürlich reliefvierte Ofenkacheln" und eine Prunkvase, die sich heute im Museum für Hamburgische Geschichte befindet. Auch Engelbert Peiffer arbeitete für Wessely. Er führte z. B. die figürlichen Darstellungen an dem vom Architekten Arthur Viol entworfenen großen Wandkamin für das Schloss Sinaja des rumänischen Königs Carol I. aus. Entwürfe für Kaminaufsatzöfen schuf der Architekt, Bildhauer und Keramiker Robert Bichweiler. Auch die Künstler Wilhelm Schwartz, Ferdinand Westphal und Friedrich Rampendahl arbeiteten für Wesselys Fabrik.

Ein enges persönliches Verhältnis bestand zu dem Bildhauer Hermann Otto Gottlieb Perl. Seine Mutter war die Schwester Bertha des Firmenchefs. Perl wurde 1878 in Königsberg geboren, besuchte die dortige Kunstakademie und kam über Berlin zu seinem Onkel. Dieser richtete ihm am Falkenried ein Atelier ein. Perls „erster größerer Auftrag war die Ausführung sämtlicher Bildhauerarbeiten im Innern des Hamburger Elbtunnels. Alle für diesen am 7. September 1911 eingeweihten Elbtunnel von Hermann Perl entworfenen Keramikarbeiten wurden bei Wessely hergestellt.


Zu dem Gründer und ersten Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, Justus Brinckmann, stand Hermann Wessely in freundschaftlicher Beziehung. Brinckmann regte die Wiederbelebung der im 18. Jahrhundert gepflegten Blaumalerei nach Altdelfter Vorbildern an. Er veranlasste 1885 den Maler Hermann Haase, Versuche damit zu unternehmen, und dieser stellte schon ein Jahr später zusammen mit Oskar Schwindrazheim die ersten Arbeiten aus. 1888 zeigte Wessely einen Rokokoofen, der nach Alois Denoths Entwurf von Hermann Haase mit Blaumalereiansichten aus dem Hamburger Gängeviertel geschmückt war. Ihm folgte 1889 ein Barockofen mit Motiven aus dem Hamburger Hafen von Haases Hand.


1888 hatte Wessely zur Weiterbildung der wieder beliebt werdenden Blaumalerei einen der berühmten Maler der Familie Merckelbach aus Holland herangezogen. Davon zeugt eine weiß glasierte, blau mit Gitterfeldern, Blumenkörben und Behangmustern bemalte Deckelvase. Aber Hermann Haase blieb der eigentliche Träger der Blaumalerei in Hamburg und arbeitete zumeist mit Wessely zusammen. Er schuf die in Blaumalerei gehaltenen Ansichten der Stadt Hamburg und der Schlösser Bergedorf und Ritzebüttel in der Ratslaube des Hamburger Rathauses und die Kacheln mit Hamburgmotiven im Ratsweinkeller. Als der Reichspostmeister Heinrich von Stephan am 7. November 1894 das Gebäude der Altonaer Hauptpost, das heutige Postamt Hamburg 50, eingeweiht hatte, konnten die hohen Gäste in dessen Schalterraum ein in Blaumalerei ausgeführtes Kachelgemälde bewundern. Es stellte einen Teil der Verkehrsverbindung zwischen Hamburg und Harburg dar, wie sie vor dem Bau der Elbbrücke seit 1853 bestand, nämlich den Blick von der Landestelle der Fähre über die Norderelbe auf die Veddel hinüber nach dem Großen Grasbrook. Dieses Gemälde fiel den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Erhalten blieben dagegen Haases Blaumalereien mit Bildern aus dem alten Hamburg in Wesselys Treppenhaus am Falkenried 1.

Die im Wesselyschen Werk hergestellten Öfen und Kamine fanden weite Verbreitung im In- und Ausland. In Hamburg setzten z. B. die bekannten Architekten Martin Haller, Hanssen & Meerwein, Stammann & Zinnow, H. W Schäfer und Emil Wentzel, August und Hermann Spannuth, Arthur Viol und Georg Thielen seine Öfen in ihre Bauten für die Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft, die Hanseatische Baugesellschaft an Wex- und Jordanstraße, den Bauverein Wilhelmsburg, in Kasinobauten in Altona und Wandsbek, die Deutsche Seewarte und das Gebäude der General-Zoll-Direktion.

Wie die Liste der Mitglieder einer Adelsgenossenschaft liest sich die Aufstellung über die Lieferung von Öfen und Kaminen besonderer Art in der kleinen Festschrift zum fünfzigjährigen Geschäftsjubiläum. Dort findet man die Namen: Freiherr von Stumm in Hessen, Exe. von Treskow in Altona, Graf von Schimmelmann in Dänemark, Exe. Rücker-Jenisch auf Blumendorf, von Esmarch und Princess Louise in Kiel, Freiherr von Ohlendorff auf Gresse in Mecklenburg, Freiherr von Berenberg-Gossler in Niendorf, Großherzog von Oldenburg in Lensahn, Freiherr von Donner und Princess v. Holstein in Plön, Prinz von Preußen im Schloss zu Plön, Graf Rantzau auf Breitenburg. In derselben Liste zeigt sich auch, wie weit gestreut die Wesselyschen Erzeugnisse geliefert wurden. Neben den heimischen Schulen Wilhelm- und Wandsbeker Gymnasium, den Realschulen Alfredstraße und St. Pauli stehen die Schlösser Bergedorf und Ritzebüttel und das Herrenhaus des Gutes Wellingsbüttel.


Weiter finden sich: Baron von Schröder in Schottland, die Firma Stoffers in Glasgow, Kaufmann Blom in Barcelona, Hotel König von Dänemark in Kopenhagen, W Ohlendorff in Antwerpen, Bankdirektor May in Amsterdam, Admiralitätsgebäude auf Helgoland, diverse Wohnhäuser in Drontheim und Bergen, Fischereigesellschaft auf den Lofoten, Regierungsgebäude in Wladiwostok, Deutsches Klubhaus in Shanghai, Konsul Stubenrauch in Punta Arenas, Lodz in Polen und Lefevre in Paris25.


Zu Wesselys Erfolgen trug zweifellos auch bei, dass er sich neue technische Errungenschaften zu eigen machte und sie womöglich selbst verbesserte. Technisches Talent hatte der junge Mann schon während seiner Zusammenarbeit mit August Spiermann gezeigt, indem er für Öfen und Kamine einen Einsatzkasten mit einer besonders verschließbaren Wasserschale erfand und sich patentieren ließ. 1909 beantragte er eine Schutzfrist von drei Jahren für „vier Muster und zwar zwei von Majolika Öfen für elektrische Heizung und zwei von Majolika Kaminen. Er baute elektrisch geheizte Majolikaöfen und -kamine eigener Konstruktion und versah sie mit Holzscheitnachbildungen aus Chamottesteinen und Rubinglas.

Auf einem besonderen Wege gelangten Wesselys Arbeiten in die weite Welt. „Es gab keinen Ozeanriesen in der Zeit vor dem ersten Kriege, der nicht mit einem Wesselyschen Kamin ausgestattet war. Er belieferte die Werft von Blohm & Voß und die Reiherstiegwerft sowie auch Harland & Wolf in Belfast nicht nur mit Kaminen, sondern auch mit keramischen Wandbildern und Keramikfassungen für elektrische Beleuchtungskörper. Auf vielen Ausstellungen im In- und Ausland stellte Wessely seine Erzeugnisse zur Schau und errang damit goldene, silberne und bronzene Medaillen und Ehrendiplome, z. B. auf den Weltausstellungen in Paris 1889 und Chicago 1893, den Gewerbeausstellungen in Hamburg, Berlin, Leipzig, Köln und Lübeck und der Industrieausstellung in München. Die Medaillen und Diplome stellte er in seinem Musterlager bei seinem Kontor am Heuberg neben den Prunkstücken seines Werkes zur Schau. Den auf der Weltausstellung in Chicago gezeigten großen Kamin kaufte die deutsche Reichsregierung für das Reichsgebäude in Berlin. Schon im Jahre 1889 konnte Wessely in seinem Musterlager sechzig verschiedene Öfen vorstellen. In den besonders ertragreichen Jahren zwischen 1885 und 1895 am Bäckerbreitengang beschäftigte er durchschnittlich dreihundert Mitarbeiter, und seine Wochenlohnliste überstieg 8000 Mark.