Firma A.H. Wessely e.K.
Kohlwey

Adam Hermann Wessely (1845-1922)

Jugendjahre

Adam Hermann Wessely wurde am 7. August 1845 als Sohn des Jacob Wessely und seiner Ehefrau Modeste Mathilde geb. Stieber in Königsberg geboren und am 6. Oktober 1845 dort in der deutsch-reformierten Burgkirche getauft und 1860 auch konfirmiert nach dem Umzug der Familie nach Schön Nuhr besuchte er das Gymnasium in Wehlau und wohnte während dieser Zeit bei Pfarrer Ziegler und Prediger Seeck. Als er zehn Jahre alt war, starb seine Mutter am 4. Januar 1856. Da der Vater bereits mit Geldschwierigkeiten kämpfte, verließ der Sohn nach dem Abschluss der Tertia die Schule und ging bei seinem Schwager Neubert in Königsberg in die Lehre. Dort wurde er zwar zu vielen Arbeiten herangezogen, aber kaum in der Töpferwerkstatt beschäftigt. Er zeichnete und modellierte gern und besuchte abends und sonntags die Kunstschule in Königsberg. Dem Ansehen seines Vaters verdankte er, dass er „nach gelinder Probearbeit als Geselle freigesprochen wurde. Sein Gesellenbrief wurde am 5. April 1862 ausgestellt. ,Von der Töpferei hatte ich nur wenig gelernt, eigentlich nur das, was ich als Sohn beim Vater gesehen hatte, doch konnte ich modellieren und zeichnen.


Wanderjahre

Inzwischen hatte sein Vater fast sein ganzes Vermögen verloren. Er entließ den Siebzehnjährigen mit mangelhafter Ausrüstung und acht Talern in die Fremde. Zwei seiner Onkel steuerten noch je vier Taler bei. Hermann Wessely reiste über Danzig nach Stettin und fand hier Arbeit in der Ofenfabrik von Keppler & Sohn. Er wurde mit dem Reparieren von Formen beschäftigt und lernte selbst Formen bei einem Lohn von anfangs drei, später dreieindrittel Talern, wovon Wohnung, Nahrung und Kleidung bestritten werden mussten. Sein Firmenchef bescheinigte ihm beim Abgang, „dass er sich während dieser Zeit als ein ordentlicher und fleißiger Mensch gezeigt hat. Im Übrigen bemerken wir, dass er bei seinen Arbeiten - in Anbetracht seines jugendlichen Alters - recht viel Geschick zeigte, so dass man wohl annehmen kann, dass er es mit Fleiß und Ausdauer vielleicht zu einem tüchtigen Geschäftsmann bringt.

Nach einem halben Jahr ging Hermann Wessely zu seinem Onkel, dem Generalmajor von Hofmann, nach Potsdam in der Hoffnung, als Soldat besser voranzukommen, wurde aber als untauglich abgewiesen. Als mittelloser Handwerksbursche fand er schließlich Arbeit in Berlin in der Ofenfabrik von Schuppmann und bald darauf als Former in der größten und renommiertesten Ofenfabrik Deutschlands von Feilner. Der Gründer dieser Firma, Thomas Christoph Feilner, war durch seine Zusammenarbeit mit Karl Friedrich Schinkel und Johann Gottfried Schadow sowie als Erfinder der Wachsmalerei bekannt geworden. Über die Berliner Zeit berichtete Hermann Wessely selbst: ,Während dieser Vorzeit habe ich wohl die schlimmste Zeit meines Lebens durchgemacht. Meine Wertsachen waren alle verkauft; ich war in Zeug vollständig abgerissen und wankte abends verzweiflungsvoll in den Straßen Berlins umher. Für 24 Silbergroschen wohnte ich bei einer alten Malerswitwe, die selbst nicht zu leben hatte, in einer Dachwohnung, in welcher meine Kammer direkt über einem Pferdestall lag. Der Stalldunst drang durch den Fußboden, wärmte wohl, gab aber eine schreckliche Luft und Feuchtigkeit, so dass ich zeitweilig angezogen in mein Bett stieg und des Morgens bei strenger Kälte eine gefrorene Bettdecke vor mir hatte.

Ich arbeitete im Akkord von morgens sechs Uhr bis abends acht Uhr und bekam vier Taler Abschlag jede Woche. Alle vier Wochen wurde abgerechnet. Trotz aller Anstrengung konnte ich in den ersten Monaten nichts erübrigen, da die Akkordpreise sehr niedrig und ich der schweren Arbeit noch nicht gewachsen war. Nach und nach lernte ich die Handgriffe wie das Putzen, Beschicken und Trocknen der Ofenverzierungen, und mein Obergeselle Zabel gab mir aus freiem menschlichem Mitleid lohnende Akkordarbeit und so auch kurz vor Ostern einen sogenannten Arabeskenaufsatz, welcher seiner starken Ornamente wegen sehr gut bezahlt wurde. Da fasste ich den Entschluss, mich Ostern in der Fabrik einschließen zu lassen, versorgte mich mit Brot und Milch, etwas Butter und Speck und arbeitete in den Feiertagen durch. Mein Lager hatte ich mir auf alten Kleidungsstücken, zeitweise Lumpen, welche wir zum Abhalten der Hitze auf unsere Waren legten, bereitet, und war ich nur von dem Gedanken beseelt, mir bessere Kleidung beschaffen zu können. Meine Mitgesellen, auch der Obergeselle Zabel, merkten dies wohl am dritten Feiertage; aber aus Mitleid und Beachtung der Sache wurde Schweigen beobachtet, da ich sonst wohl sofort entlassen wäre. Ich muss überhaupt sagen, dass ich hier unter den Fabrikarbeitern, meinen unmittelbaren Kollegen, die größte Unterstützung in Hilfelei-stung... gefunden habe.


Ich musste nun diese geleistete Arbeit auf zwei Rechentage verteilen, da sonst auch wohl im Comptoir der große Verdienst Aufsehen erregt hätte. Drei bis vier Wochen nach Ostern bekam ich dann über meinen wöchentlichen Abschlag von vier Talern wohl sechs bis neun Taler und kurz vor Pfingsten etwa zehn Taler extra ausbezahlt. Zu Pfingsten hatte ich mir einen Anzug bestellt, welchen ich allerdings nicht ganz bezahlte, konnte mir Stiefel, Wäsche und Hut kaufen, so dass ich am ersten Pfingsttage meinen Freund Schuppmann, welchen ich lange nicht gesehen, besuchen konnte. Diese gewagte aber immerhin energische Durchführung meines Willens, weiter zu kommen, gab mir den Mut, nun auf eigenen Füßen mich weiterzubilden und die mir gesteckten Ziele der besseren Zukunft zu verfolgen. Ich blieb bei Feilner etwa 1V2 Jahre, wurde von dem Inhaber der Fabrik, Herrn Fritz Friese, vertrauensvoll zur Kontrolle und Schriftführung der Reparaturarbeiten im Kriegsministerium herangezogen, wie auch sonst bei derartigen größeren Gebäudekonzernen einer Anzahl Leuten unter dem Werkführer Pape zur Kontrolle beigegeben. Im Winter besuchte ich abends und sonntags die Kunstschule, wurde auch von Herrn Friese darauf aufmerksam gemacht, dass er mir für später den Besuch der Akademie in Aussicht stellte. Zuletzt hatte ich einen Verdienst von sieben bis acht Talern pro Woche, was damals sehr viel war, hatte mich gut equipiert und ausgestattet, wollte aber die Welt sehen und konnte mich nicht schon damals in Berlin festsetzen"

Hermann Wessely wanderte nun nach Hamburg. Hier fand er im Oktober 1863 Arbeit in der schon seit 1760 bestehenden und seit 1839 von den Gebrüdern August, Johannes und Heinrich Spiermann geführten „Ofen- und Tonwarenfabrik" am Bäckerbreitengang 74, arbeitete in der Glasurstube und half lernbegierig bei der Anfertigung von Verzierungen und beim Gießen von Formen. Er verliebte sich in Johannes Spiermanns Tochter Mathilde. Der Verlobung wurde jedoch nur unter der Bedingung zugestimmt, dass er bis zu seiner und seiner Braut Volljährigkeit, also vier bis viereinhalb Jahre, Hamburg verlassen sollte und nach der Rückkehr wohl mit einer kleinen Aussteuer, nicht aber mit Geld oder gar Übernahme des schon in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Geschäfts der Gebrüder Spiermann rechnen könnte. Hermann Wessely verließ Hamburg und arbeitete zunächst bei Braune in Hannover. Von Heimweh geplagt, fuhr er, da ihm Hamburg verschlossen war, in seine Heimat Königsberg und arbeitete dort in der Ofenfabrik von B. Werger. Bei einem Lohn von acht Talern brachte er während des Winters die Modelle in Ordnung. Doch im Frühjahr 1866 rief ihn der neue Besitzer von Schön Nuhr, Gustav Burchard, in seine Ofenfabrik. Hermann Wessely wurde zum Setzen von Öfen und Herden an der Bahnstrecke von Königsberg nach Pillau eingesetzt und verdiente sehr gut, so dass er sich einige Reisemittel ersparen konnte, um über Braunsberg, Dirschau und Posen nach Breslau zu reisen. Dort erhielt er gute Arbeit in der Firma Galetschky und lernte hier nach eigener Bekundung das Ofensetzen erst gründlich. Von Breslau fuhr er am Sommerende 1866 nach Schweidnitz und wanderte dann durch Schlesien über Greifenberg, Löwenberg, Görlitz und Schandau nach Dresden.


Danach arbeitete er in Kassel und Gera, wo er bei Gebrüder Reibenstein sehr gut verdiente: „ Ich hatte mich glänzend equipiert, machte kleine Reisen in Thüringen und nahm unter den jungen Leuten der Stadt eine ganz geachtete Stellung ein, war flotter Tänzer und Sangesbruder. Bei meinen Arbeiten auf dem Lande z. B. Schmölln wurde ich auch mit Besitzern befreundet, erhielt Einladungen aller Art. Ich lernte in Schmölln einen Maurermeister kennen, und dieser hatte gehört, dass ich modellieren könnte, und da im Winter im Geschäft nicht viel zu tun war und in Schmölln kein Bildhauer für Fassaden existierte, so engagierte er mich zur Ausführung von Fenster-, Portal- und Türbekleidungen wie Giebelornamenten. Hier in Schmölln verlebte ich wohl die schönsten Tage meiner Fremdenzeit."

Nach kurzem Aufenthalt in Wien, wo er in den Firmen Decenthe und Hartmut Söhne arbeitete, folgte er einem Ruf der Firma Hofmann & Sohn in Frankfurt am Main. Diese sandte ihn als Ofensetzer nach Aschaffenburg, Heidelberg, Augsburg und Zürich. Der Firmenchef schätzte seine Arbeit und lud ihn sogar zu Tisch. Wessely nahm regen Anteil am geselligen Leben Frankfurts, verkehrte in wohlhabenden Bürgerkreisen und wurde Mitglied der Schützengilde und eines Faschingclubs. „Ausflüge im Sommer an den Rhein, in den Taunus, Odenwald, die Bergstraße verherrlichten diese schöne Zeit. Tanz, Gesang und gute Laune verschafften mir überall Freunde."