Firma A.H. Wessely e.K.
Kohlwey

Ehrenämter

Berufsbezogene Ämter

Hermann Wessely gewann durch sein gewandtes Auftreten ebenso wie durch seine Überzeugungskraft und sein Können bald das Vertrauen seiner Berufsgenossen. Nach seinen eigenen Angaben und denen der Festschrift zu seinem fünfzigjährigen Geschäftsjubiläum war er Obermeister der Töpferinnung. Als solcher erscheint er auch in den Akten des Staatsarchivs und in einer Veröffentlichung des Museums für Kunst und Gewerbe. In der Innungsgeschichte der Töpfer und Kachelofenbauer fehlt dagegen sein Name in der „lückenlosen Aufstellung der Ältermänner und Obermeister seit 1701, und ihr Verfasser, Christian Madaus, bestätigte diese Feststellung. Da weder in der Innung noch in der Handwerkskammer Quellen bekannt sind, die genaue Auskunft geben könnten, bleibt die Sache ungeklärt. Sicher ist dagegen, dass Wessely in der Innung eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Er gehörte ihrem Vorstand an, war Mitglied der Meisterprüfungskommission sowie zeitweilig Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses. Er förderte die Wohlfahrtsbestrebungen der Handwerksbetriebe und wurde zum zweiten Vorsitzenden der Töpferei-Berufsgenossenschaft Sektion II Norddeutschland, der nach der Reichsversicherungsordnung öffentlich-rechtlichen Arbeitgeberorganisation als Träger der Unfallversicherung, bestellt. Für diese Tätigkeit verlieh ihm Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen 1912 den Roten Adlerorden 4. Klasse. Zum Geschäftsjubiläum 1920 sprach ihm die Berufsgenossenschaft Anerkennung und Dank aus: „Begleitet war Ihr reiches Schaffen von echter Bürgertugend und wahrem Gemeinsinn, der Sie für alle der allgemeinen Wohlfahrt dienenden und dem Fortschritt auf jedem Gebiete gewidmeten Bestrebungen mit warmem Herzen eintreten ließ.

So sind Sie auch durch 25 Jahre aufopfernder Arbeit im Dienste der Arbeiterfürsorge mit der Töpferei-Berufsgenossenschaft verbunden, an deren Verwaltung Sie mit Rat und Tat mitwirkten. Und die Sektion II schrieb: „Ihnen und Ihrer Tatkraft verdankt die Sektion die Befähigung, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Von Anbeginn unseres Daseins an haben Sie uns leitend zur Seite gestanden und in opferwilliger Weise unsere Angelegenheiten gefördert. Dankerfüllt gedenken wir Ihres Wirkens, das dem Wohle der unserer Fürsorge anvertrauten Hilfsbedürftigen gewidmet ist.


Mitglied der Bürgerschaft

Schon früh trat Hermann Wessely in die Politik ein. Auf sein Gesuch vom 8. Februar, in dem er sein versteuertes Einkommen mit 1100 Mark angab, wurde er am 19. Februar 1873 „zum Hamburgischen Staatsangehörigen aufgenommen" und leistete am 28. Februar 1873 den Bürgereid. Bereits 1877 wurde er von der Handwerkspartei im 24. Bezirk der Allgemeinen Wahlen in die Bürgerschaft gewählt. Damals erfolgte die Wahl zur Bürgerschaft nach der Verfassung von 1860 in drei Gruppen. Wahlberechtigt waren nur solche Hamburger, die das Bürgerrecht besaßen - 1875 nur 8,7 % der Bevölkerung - und Einkommenssteuer bezahlten. Diese Bürger wählten in den Allgemeinen Wahlen 84 Abgeordnete. Wer als Bürger auch Grundeigentümer war, konnte zusätzlich in einem zweiten Wahlgang 48 Abgeordnete wählen, und die „Notablen", die Bürger mit einem Ehrenamt, wählten außerdem in einem dritten Wahlgang 60 Abgeordnete.


Wessely war also einer der 84 Abgeordneten, die aus den Allgemeinen Wahlen hervorgingen. Er gehörte der Bürgerschaft zunächst von 1877 bis 1880 als Mitglied der Fraktion der Linken an. Die damaligen Fraktionen waren nur lose organisiert. „Die Linke wird man am ehesten als liberal bezeichnen können, die Rechte dagegen als konservativ. Der wichtigste Unterschied war wohl, dass sich die Linke für den Abbau des verfassungsmäßigen Übergewichts des Senats einsetzte, die Rechte aber diesen Vorrang des Senats betonte und behalten wollte. Im Jahre 1892 wurde Wessely im 3. Bezirk der Grundeigentümerwahlen in die Bürgerschaft gewählt. Diese Wahlperiode dauerte bis 1898. 1904 wurde er im 37. Bezirk der Grundeigentümerwahlen nochmals gewählt und blieb Mitglied der Bürgerschaft bis 1910. Während dieser beiden Legislaturperioden gehörte er der Fraktion Linkes Zentrum an, die sich für den Bestand der bisherigen Ordnung, gegen jedes Entgegenkommen gegenüber der Sozialdemokratie und insbesondere für den Schutz der kleinen und mittleren Handwerksbetriebe einsetzte. Nach Wesselys eigenen Angaben erstreckte sich seine Tätigkeit „besonders auf Arbeiten in den Ausschüssen konservativer Richtung für bürgerliche Rechte und Grundeigentum. Seit 1893 war er Mitglied der Militärersatzkommission und seit 1907 Steuerschätzungsbürger.


Wessely wirkte in vielen Ausschüssen der Bürgerschaft mit. Bau- und Verkehrsfragen fanden dabei offenbar sein besonderes Interesse; denn er gehörte folgenden Ausschüssen an: Verlagerung der Schule für Bauhandwerker in die Zollvereinsniederlage (1897), Sandsteinbekleidung der Börse (1892), Rathausbau (1895), Umbau eines Speichers auf dem Hof des Staatsleihhauses, Ausbau eines Fußgängertunnels unter den Straßenkreuzungen der Eisenbahnen am Alsterglacis, Ferdinandstor, Klostertor und Deichtor (1896), Neubau eines zweiten Gefängnisses in Fuhlsbüttel (1894), Errichtung verschiedener Gebäude auf dem Terrain des Krankenhauses Eppendorf (1894), Um- und Erweiterungsbau der Feuerwache an der Sedanstraße (1909). Ein Jahr nach dem Cholerajahr 1892 finden wir ihn in einem Ausschuss für Wohnungspflege. 1897 wirkte er dann auch in der von Senat und Bürgerschaft gemeinsam geschaffenen Kommission „betr. die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in einzelnen Teilen der inneren Stadt" wie auch im Ausschuss für die Verbreiterung der Straße Pilatuspool mit. Aus dieser gemischten Kommission gingen die Pläne für die umfassende Innenstadtsanierung hervor.

Hatte Wessely schon 1893 einem Ausschuss angehört, der sich mit dem Ausbau der Vorortsbahn zwischen Barmbek und Ohlsdorf befasste, so wurde er 1907 auch in einer „Senats- und Bürgerschaftskommission betreffend das Eisenbahn- und Verkehrswesen" tätig. Gelegentlich gehörte er Ausschüssen an, die sich mit Ankauf, Verkauf und Tausch von Grundstücken befassten, wobei der Verkauf von Staatsgrund in Eppendorf für ihn von persönlichem Interesse war. 1894 fand man ihn in einem Ausschuss, der sich mit der Reorganisation des Fortbildungsschulwesens und 1895 in einem, der sich mit der Umgliederung des Gewerbe- und des Kaufmannsgerichts in das Amtsgericht befasste. Aber auch in Ausschüssen über die Dienstzeit der Feuerwehrleute und über die Sicherung der Ansprüche von Bauhandwerkern und Arbeitern bei Bauunternehmungen war er 1896 und 1907 zu finden. 1907 arbeitete er mit in einem Ausschuss für die „Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs für die Anlage eines Stadtparks in Winterhude" und 1908 in einer „Kommission zur Wahrung des künstlerischen Interesses bei Bauten und Straßenanlagen.





Sonstige Ämter

Hermann Wessely gehörte viele Jahre dem Vorstand des nationalliberalen Reichstagswahlvereins von 1884 an und leitete die Wahlen zum Deutschen Reichstag. Vor allem setzte er sich für die Wahl Adolph Woermanns, des Hamburger Kaufmanns und Reeders der Deutschen Ostafrika-Linie und Förderers der deutschen Kolonialpolitik ein, auf den Bismarck den Ehrennamen des „königlichen Kaufmanns" prägte. Wessely gehörte zunächst dem Neustädter und später dem Eppendorfer Bürgerverein von 1875 an und diente dem letzteren um die Jahrhundertwende als Vorsitzender. Die Anliegen des Vereins vertrat er auch in der Bürgerschaft. So setzte er sich für dessen Forderung nach einer Verbindung der Görnestraße über die Alster hinweg zur Clärchenstraße ein.

Am 16. Mai 1871 trat Adam Hermann Wesseley als Lehrling in die christlich orientierte St. Johannis-Loge „Zum Pelikan" der Freimaurer ein, wurde am 30. September 1872 zum Gesellen und am 13. Juni 1873 zum Meister befördert und hatte das Amt eines Zeremonienmeisters inne.